Barocke Abendmahlskanne aus Thüringer Adelsbesitz

Barocke, 1720 datierte, Wein/Abendmahlskanne aus Silber, mit dem Wappen des Thüringer Adels Johann Ludwig Spiller von Mitterberg und Steeben und seiner Ehefrau Reichsfreyin Maria Christina Eichler von Auritz aus Oberstadt im Landkreis Hildburghausen/südl. Thüringer Wald

Höhe: 20,5 cm
Gewicht: 333 gr.

Ohne Stadt- und Meistermarke. Entstehung wohl Raum Suhl/Meiningen. Am Lippenrand franz. Einfuhrpunze für Silberarbeiten nach 1893.

Die nahezu zylindrische Kanne steht auf einem breitem Fußwulst. Der haubenförmige Deckel ist mittels Scharnier am Korpus verbunden. Breiter, ohrenförmiger Henkel. Innen befinden sich Reste einer Vergoldung.

Sichtseitig befindet sich das gravierte Allianzwappen der Spiller von Mitterberg und Stegen mit seiner Gattin Reichsfreiyin Maria Christina Eichler von Auritz

Historie:

Georg Ludwig Spiller von Mitterberg und Stegen stammt aus der Steiermark. Er heiratet in 1. Ehe 1654 und zieht mit seiner Gattin aus dem österreichischen in das Herzogtum Coburg. Dort kauft er das Rittergut Bertelsdorf. Nachdem seine Frau verstarb heiratet er in 2. Ehe Fräulein von Salet und hat mit ihr 5 Söhne, wovon der älteste der Auftraggeber  dieser Kanne war.
Johann Ludwig wird am 9. Juli 1672 in Bertelsdorf bei Coburg geboren. Er wird am herzoglich sächsisch coburgischen Hof erzogen und wird kaiserlicher Obrisker/Regimentschef unter Kaiser Carl VI, dann herzöglicher Meiningischer Geheimrat, Hofmarschall und Kommandant zu Fuß und zu Pferd. Später Ober Kriegs Commisarus zu Gotha.
Er heiratet am 17.Mai 1709 die Reichsfreiyin Maria Christina Eichler von Auritz (geb. 13.4.1683, gest. 13. März 1724) auf Rittergut Oberstadt im Meiningischen, eine kleine Ortschaft im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen. Hier verbrachte die Familie eine große Zeit Ihres Lebens. Mehrere Kinder gingen aus der Ehe hervor.


Oberstadt
Im Jahr 1317 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Herrschaftsmäßig gehörte der Ort im Amt Themar zunächst zur Grafschaft Henneberg, nach 1583 zu verschiedenen sächsischen Herzogtümern und von 1826 bis 1918 zu Sachsen-Meiningen. 1920 kam er zum Land Thüringen.


Kirche
Die erste Kirche ist für 1380 belegt. Einen Nachfolgebau gab es 1608, er wurde 1716 grundlegend erneuert. Die Kirche wurde 1885 durch einen Brand zerstört. Die jetzige, neugotisch gestaltete Kirche wurde 1887 eingeweiht.
Die mit Wappen versehene Kanne dürfte, sofern sie nicht dem eigenen Gebrauch diente, der ev. Lutherischen Kirche wenige Jahre nach der Kirchenerneuerung im Jahrb 1720 gestiftet worden sein. Sofern sie sich in Kirchenbesitz befand, ist anzunehmen, dass die Kanne vom Brand gerettet wurde und mit dem Neubau der Kirche keine Verwendung mehr fand und veräußerst wurde. Sie gelang nach Frankreich und später wieder nach Deutschland.

 

 

 

 


Wasserschloss
Die Wasserburg vergaben die Grafen von Henneberg 1380 als Lehen an die Herren von Kießling. 1397 wurde die Burg als Raubnest zerstört. Die Kemenate ist noch erhalten. 1469 folgten die Marschalk von Ostheim und 1606 der hennebergische Oberaufseher Humpert von Langen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Kemenate zur Wasserburg erweitert und um 1607 zum jetzigen Wasserschloss umgestaltet. Johann Georg von Langen ist hier 1699 geboren. 1712 sind die aus Österreich stammenden Spiller von Mitterberg, 1782 die von Seebach und danach die von Bünau als Eigentümer verzeichnet, nach mehrfachen Besitzerwechseln gehörte das Schloss ab 1892 dem Herrn von Eichel auf Marisfeld und befindet sich heute in Privatbesitz.


Spuren seines Wirkens finden sich u.a. in Hildburghausen. Hier wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch den Kriegsrat und Obristen Johann Ludwig Spiller von Mitterberg auf zwei bürgerlichen Hofstätten ein großes dreigeschossiges, steinernes Gebäude errichtet. Später befand sich hier die Hofdruckerei und wurde auch als Landratsamt genutzt.