Beitrag zum Deckelkrug aus Lübeck mit Wappengravuren

Deckelkrug aus dem Besitz der von Flotow, 350 Jahre im Familienbesitz

Lübeck, um 1650. Meister Markus Jeger

Silber getrieben und gegossen, graviert.
Nahezu zylindrischer Korpus auf wulstigem Standring. Breiter ohrenförmiger Griff mit olivenförmigen Daumenrast. Der Deckel ist stufig gearbeitet und mittels Scharnier am Korpus verbunden.
Gestempelt auf der Bodenunterseite mit der Stadt- und Meistermarke.

Höhe: ca. 19,5 cm. Gewicht: 908 gr.

Der Deckelkrug, mit seiner schlanken zylindrischen Form, entspricht ganz dem norddeutschen Typus. Beispiele finden sich in Lübeck aber auch in Hamburg.

Zur Marke: Warncke, Die Edelschmiedekunst in Lübeck und ihre Meister, Nr. 388. Markus Jeger beginnt 1620 in Lüneburg seine Lehre. Er wird 1633 Bürger in Lübeck. Gestorben 1654.

Heraldik:
Der Deckel schmückt ein Familienwappen, der Mecklenburger Adelsfamilie von Negendank und derer von Reventlow.

 

 

 

 

 

Darüber, auf einer aufgeschraubten Wappenscheibe befindet sich das Wappen der von Flotow.
Im Deckelinneren, mit der äußeren Flotow-Wappenscheibe verbunden, befindet sich eine gravierte Scheibe, die einen weiteren Besitzerwechsel innerhalb der Familie Flotow dokumentiert. „Anno 1838 kam dieses Trinkgeschirr, durch den Tod, des Major, Georg, Friedrich, Diederich, Philipp von Flotow, auf Wahlow, Zislow, etc, gestorben im Strietfelde, an August, Adam, Philipp, Matthias von Flotow, auf Woldzegarden und Jürgerthal. Es ist ein altes Familienstück.“

Zu diesem Zeitpunkt dürfte auch die Innenvergoldung entstanden bzw. erneuert worden sein.

Allianzwappen auf dem Deckel:
Paschen von Negendank, geboren 1585, gestorben 1656. Seine Ehefrau ist Ilsabe (Elsche oder auch Elisabeth), geborene von Renventlow. Sie heiraten 1611.

Nachdem Ihr Ehemann verstarb, heiratet Elisabeth von Negendank in zweiter Ehe Hartwig Flotow. Der Krug blieb fortan in Familienbesitz bis er im Jahre 2016 veräußert wurde.

Das Geschlecht der Negendank ist wohl von Niedersachsen nach Mecklenburg gekommen, wo es bereits im 12 Jahrhundert mit Brunward einen Bischoff in Schwerin stellen konnte. 1767 ist das Geschlecht im Mannesstamm erloschen.

Lit.: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg_Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Wismar, ab Seite 319, 326, 327. Kirchdorf Proseken, Dorfkirche. 1. Grabstein „Ein alter Stein mit Minuskel Inschrift… Auf dem Steine Wappen der Negendank und Reventlow. Darunter. Paschen Negendank Ilsche Reventlow. Dieses Erbbegrebnvs gehöret allein nach dem Adelichen Guthe Zirow Anno 1669. Darüber: H.Paschen Negendank Erbherr auf Sirow G Krankow undt Wischendorf Obit Anno 1656, den 8. Sept.

Paschen Negendanck stiftete die Kanzel von 1656 in der Dorfkirche zu Proseken.

Ein Wappenschild der von Negendank und Reventlow aus dem Jahr 1625 befindet sich in der Kapelle in Weilendorf in Mecklenburg.
Die Leichenpredigt des Paschen von Negendank aus dem Jahr 1657 hat sich erhalten. Jedoch Der Deckelkrug ist in seinem Nachlass jedoch nicht erwähnt.

Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon, Leipzig 1865 Seite 459.

Flotow:

Die stark verzweigte mecklenburgische Adelsfamilie Flotow lässt sich bis in das Jahr 1228 zurückverfolgen. Sie besaßen zahlreiche Güter in Mecklenburg Vorpommern.
Lit: Gustav von Flotow, Dresden 1844. Beiträge zur Geschichte von Flotow mit einer Stammtafel.