Beitrag zur Geschichte der Talerdosen

Zur Geschichte der Talerdosen

Lit.: Hubert Stierling, Der Silberschmuck der Nordseeküste, hauptsächlich in Schleswig Holstein, Erstausgabe 1935, Seite 253, 254

In den Museen zu Nürnberg, Hamburg, Altona, Flensburg, Meldorf, Marne und Glückstadt befinden sich etwas 25 Talerdosen.

Die Herstellung solcher Talerdosen lässt sich regional sehr gut eingrenzen. Denn ausschließlich gab es solche Gefäße der Silberschmiede im westlichen Schleswig-Holstein. Nicht alle erhaltenen Dosen sind mit Marken versehen, mitunter auch nur mit einer Inschrift oder nur einem Meisterzeichen. Eine Besonderheit ist meine hier vorgestellte Dose, denn sie trägt einwandfrei das Beschauzeichen von Itzehoe und die Meistermarke des Silberschmieds. Zudem ist sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden, also in einer relativ frühen Epoche dieser etwas 100 Jahre währenden Tradition.

Die Talerdosen haben zylindrische Form, sind oben und unten zu öffnen und in der Mitte durch eine Querscheibe in zwei Hälften getrennt von jede etwa 6 Taler im Stande aufzunehmen ist. Sie sind besonders im Dithmarschen und in der Wilstermarsch als Frauengerät im Gebrauch gewesen und waren Verlobungsgaben des Bräutigams. Deshalb sind sie regelmäßig mit reliefierten Darstellungen – gravierte sind in der Minderzahl – aus dem Liebesleben geschmückt und zeigen nicht nur die uralten Symbole schnäbelnder Tauben (über einem flammenden Herzen) oder die bereits von den römischen Ringen und mittelalterlichen Hemdspangen bekannten verschlungenen Hände, sondern auch sehr häufig Liebesszenen.
Gleichzeitig aber sind sie von den Frauen, wie Detlefsen in seiner Geschichte des Kirchspiels Herzhorn in der Wilstermarsch berichtet, auch dazu benutzt worden, das in Talern bestehende Opfer mit zur Kirche zu bringen.

Die ältestes nachweisbare Talerdose entstand 1686. Sie ist mit einer nicht aufgelösten Meistermarke „PP“ versehen und die jüngste ist um 1780 entstanden.

Ein billiger Ersatz dieser silbernen Dosen waren die aus Messing, von denen sich die ältesten in Meldorf (1685), Kiel (1687) und Altona (1709) befinden. Sie sind wesentlich einfacher gearbeitet und begegnen vorzugsweise in Dithmarschen und Nordfriesland. An der Ostküste Schleswig Holsteins fehlen sie ganz. Als Hersteller könnten ebenfalls die Goldschmiede in Betracht kommen. So heißt es beispielsweise von dem Kieler Meister Christian Specht, um 1600, das er seit 10 Jahren in Messing arbeite.