Eine höfische Deckelterrine aus Berlin

Angelehnt an Augsburger Arbeiten entstand um 1730 die kleine barocke Deckelschale von höfischer Qualität, die in Berlin um 1730 von Johann Peter Schle(i)ßmann gefertigt wurde. Aufgrund der großen Paralellen zu vergleichbaren Augsburger Stücken, können wir annehmen, dass es sich um eine Nachlieferung zu den zahlreichen in Augsburg gerfertigten, und nach Berlin gelieferten Silberservices, für den Hof handelt.

Zum Meister: Johann Peter Schle(i)ßmann wurde ca. 1702 in Tangermünde geboren. Gelernt hat Schle(i)ßmann bei Lieberkühn, einem der besten Berliner Goldschmiedewerkstätten seiner Zeit.Dort wurden zahlreichen Großaufträge für den Hof ausgeführt. Er leistet 1727 den Bürgereid und wird 1728 Meister. Gestorben ist er 1762. Nachweislich lieferte er 1746 für Schloß Sanssouci.

Zur Terrine: Der ovale Korpus ist durch faltige Züge gegliedert. Die Wandung ist mit feinem ziseliertem Bandelwerk auf punziertem Grund verziert. Der Deckel ist aufgesetzt. Die Terrine hat eine schöne originale Vollvergoldung. Innen ist sie nahezu makellos erhalten, an der Außenwandung befindet sich an den erhabenen Stellen leichter Goldabrieb. Sie steht auf vier eingerollten Füßen. Die seitlichen Henkel sind feststehend wie auch der Bügelgriff auf dem Deckel.

Auf der Bodenunterseite gestempelt mit der Stadtmarke, der Meistermarke und Tremolierstrich. Auf dem Deckelrand der preußische Steuerstempel „FW“.

Länge von Korpus: 16 cm. Länge über Henkel: 22,5 cm. Gesamthöhe ca. 16 cm. Gewicht: 639 gr.

Preis auf Anfrage

Lit.:
W. Scheffler, Goldschmiede Berlin, Seite XX Nr. 4e, XXII Nr. 30aSeite 94 Nr. 499.
Paul Seidel, Der Silber- und Goldschatz der Hohenzollern im Königlichen Schlosse zu Berlin. Leipzig, 1895, Seite 19 Nr. 45. Dort ist eine sogen. „vergoldete Toilette“, die u.a. zwei Schalen mit Deckeln enthält verzeichnet. Die dort angegebenen Gewichtsangaben stimmen jedoch nicht mit dieser Deckelschale überein. Ob hier eine andere Berechnung vorlag, wird nicht mehr nachvollziehbar sein. Die Verzeichnisse sind lückenhaft, es wurden im laufe der Jahrhhunderte ein großer Teil des einst vorhandenen Silbers eingeschmolzen.

 

Ein Deckelkrug aus dem Besitz der von Flotow, seit 350 Jahre im Familienbesitz

Lübeck, um 1650. Meister Markus Jeger

Silber getrieben und gegossen, graviert.
Nahezu zylindrischer Korpus auf wulstigem Standring. Breiter ohrenförmiger Griff mit olivenförmigen Daumenrast. Der Deckel ist stufig gearbeitet und mittels Scharnier am Korpus verbunden.
Gestempelt auf der Bodenunterseite mit der Stadt- und Meistermarke.

Höhe: ca. 19,5 cm. Gewicht: 908 gr.

Der Deckelkrug, mit seiner schlanken zylindrischen Form, entspricht ganz dem norddeutschen Typus. Beispiele finden sich in Lübeck aber auch in Hamburg.

Zur Marke: Warncke, Die Edelschmiedekunst in Lübeck und ihre Meister, Nr. 388. Markus Jeger beginnt 1620 in Lüneburg seine Lehre. Er wird 1633 Bürger in Lübeck. Gestorben 1654.

Heraldik:
Der Deckel schmückt ein Familienwappen, der Mecklenburger Adelsfamilie von Negendank und derer von Reventlow.

 

 

 

 

 

Darüber, auf einer aufgeschraubten Wappenscheibe befindet sich das Wappen der von Flotow.
Im Deckelinneren, mit der äußeren Flotow-Wappenscheibe verbunden, befindet sich eine gravierte Scheibe, die einen weiteren Besitzerwechsel innerhalb der Familie Flotow dokumentiert. „Anno 1838 kam dieses Trinkgeschirr, durch den Tod, des Major, Georg, Friedrich, Diederich, Philipp von Flotow, auf Wahlow, Zislow, etc, gestorben im Strietfelde, an August, Adam, Philipp, Matthias von Flotow, auf Woldzegarden und Jürgerthal. Es ist ein altes Familienstück.“

Zu diesem Zeitpunkt dürfte auch die Innenvergoldung entstanden bzw. erneuert worden sein.

Allianzwappen auf dem Deckel:
Paschen von Negendank, geboren 1585, gestorben 1656. Seine Ehefrau ist Ilsabe (Elsche oder auch Elisabeth), geborene von Renventlow. Sie heiraten 1611.

Nachdem Ihr Ehemann verstarb, heiratet Elisabeth von Negendank in zweiter Ehe Hartwig Flotow. Der Krug blieb fortan in Familienbesitz bis er im Jahre 2016 veräußert wurde.

Das Geschlecht der Negendank ist wohl von Niedersachsen nach Mecklenburg gekommen, wo es bereits im 12 Jahrhundert mit Brunward einen Bischoff in Schwerin stellen konnte. 1767 ist das Geschlecht im Mannesstamm erloschen.

Lit.: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg_Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Wismar, ab Seite 319, 326, 327. Kirchdorf Proseken, Dorfkirche. 1. Grabstein „Ein alter Stein mit Minuskel Inschrift… Auf dem Steine Wappen der Negendank und Reventlow. Darunter. Paschen Negendank Ilsche Reventlow. Dieses Erbbegrebnvs gehöret allein nach dem Adelichen Guthe Zirow Anno 1669. Darüber: H.Paschen Negendank Erbherr auf Sirow G Krankow undt Wischendorf Obit Anno 1656, den 8. Sept.

Paschen Negendanck stiftete die Kanzel von 1656 in der Dorfkirche zu Proseken.

Ein Wappenschild der von Negendank und Reventlow aus dem Jahr 1625 befindet sich in der Kapelle in Weilendorf in Mecklenburg.
Die Leichenpredigt des Paschen von Negendank aus dem Jahr 1657 hat sich erhalten. Jedoch Der Deckelkrug ist in seinem Nachlass jedoch nicht erwähnt.

Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon, Leipzig 1865 Seite 459.

Flotow:

Die stark verzweigte mecklenburgische Adelsfamilie Flotow lässt sich bis in das Jahr 1228 zurückverfolgen. Sie besaßen zahlreiche Güter in Mecklenburg Vorpommern.
Lit: Gustav von Flotow, Dresden 1844. Beiträge zur Geschichte von Flotow mit einer Stammtafel.

 

 

Ein Biedermeier Pokal mit Widmung der Stadt Bunzlau an den Ratsmann und Kämmerer Gottlieb Rother

Bunzlau, datiert 1833

Meister „CM“

Silber getrieben, teilvergoldet und graviert.

In Auftrag gegeben wurde der aus Silber gearbeitete Pokal von der Stadt Bunzlau im Jahr 1833 aus Anlass des 50 jährigen Amtsjubileum des Kämmerers Carl Gottlieb Rother.

Silber, innen vergoldet. Fuß, Schaft Kuppa und Deckel sind mit reliefierten Ornamentbändern, u.a. ein Weinlaubfries verziert. Der Deckel wird bekrönt von einem Rundmedaillon das beidseitig das Wappen von Bunzlau zeigt.

Sichtseitig gravierte Inschrift: „Dem Cämmerer Herrn Carl Gottlieb Rother weihte diesen Pokal zum 50 jähr. Amtsjubiläum d. 1 Sprt 1833, als ihren ehrwürdigen u. achtbaren Beamten d. dankbare Comune Bunzlau durch ihre Vertreter.“ Rückseitig: „Sei noch rech lange der unsere bei stetem Wohlergehen“

Gestempelt ist er am Fußrand mit dem Zeichen der Stadt, und der Meistermarke dem bisher namentlich nicht identifizierter Silberschmiedemeister „CM“.

Höhe: ca. 33 cm. Gewicht: ca. 733 gr.

Preis: 1.800,– €

Ein Pokal von historischer Bedeutung. Er dokumentiert das hohe Können der Bunzlauer Silberschmiedehandwerks in der Biedermeierzeit. Außer einigen Besteckteilen sind mir keine Arbeiten bekannt, die der Bunzlauer Silberschmiede zu gewissen werden können. Das besondere Ereignis, dass zu Auftrag und Fertigung des Pokals führt ist das hohe Amtsjubiläums, des Gottlieb Rother.

Lit.: Amtsblatt, Königlich Liegnitzschen Regierung von Schlesien, 6. Jahrhgang 1816. S. 377 „Der Rathmann Rother zu Bunzlau wurde als besoldeter Kämmerer dasiger Stadt auf Lebenszeit bestätigt“