Antikes Silber, das Freude macht. Vorausgesetzt, die Qualität stimmt!

Antikes Silber kann dreihundert Jahre alt sein, und ist meines Erachtens doch nicht immer sammelwürdig. Wie das, werden Sie sich jetzt fragen? Das Stück ist doch alt!

Sie werden in meinen Beiträgen immer wieder von Qualitäten lesen, weil nur guten Qualitäten langfristig Freude bereiten.

Anfangs habe ich das auch nicht erkannt, aber vergleichen Sie mit Museumsqualitäten, kommt man schnell dahinter. Deshalb lohnt sich ein Blick auf museale Stücke zu werfen. Das ist das ein guter Maßstab um zu erkennen, worauf beim Erwerb zu achten ist.

Wichtigstes Merkmal ist der Erhaltungszustand und der Abnutzungsgrad von Dekoren. Das Gewicht im Verhältnis zur Größe kann eine Rolle spielen, ebenso die einwandfreie Zuordnung an eine Stadt- und an den Meister.

 

• Die Oberfläche: Die Oberfläche sollte sauber, schön und gepflegt sein. Dabei dürfen durchaus leichte Kratzer zu sehen sein. Eine schöne gewachsene Oberfläche zeichnet sich auch durch leichte Abnutzungsspuren an Stellen aus, die dem Gebrauch unterliegen. Das können Kratzspuren an Leuchtertüllen sein, dort wo über Jahrhunderte abtropfendes Wachs entfernt wurde. Ebenso Abrieb an Standflächen oder Stellen wo der Deckel am Lippenrand schließt.

Aber wirkt die Oberfläche grau und stumpf, tief verkratzt und schlecht gereinigt, dann sollten Sie die Silberarbeit von einem erfahren Restaurator überarbeiten lassen oder abwägen ob sich ein Ankauf überhaupt lohnt.

 

Die erste Aufnahme zeigt eine sehr gepflegte Deckeldose aus 934 er Silber. Gefertigt in Amsterdam ca. 1820. Die sehr reine Oberfläche spricht auch für eine hochwertige Silberlegierung.

Die Wiener Dose in der Mitte ist, wie rechts die Augsburger Dose, besteht aus 13 lötigem Silber. Das entspricht einen 833 Feingehalt. Auch diese Oberflächen wirken nicht stumpf sondern glänzend. Zudem weisen alle drei Beispiele praktisch kaum Kratzspuren auf und das Silber wurde über die Jahrhunderte sehr behutsam gebraucht und sorgsam gereinigt.

 

• Die Gravur: Diese sollte als solche gut zu erkennen sein und die Inschriften deutlich lesbar. Kommt es vor, das Gravuren dermaßen verwischt sind, so dass Sie womöglich erraten müssen welches Motiv der Graveur darstellen wollte, hat das Stück auch keinen großen Sammlerwert. Mit einer Ausnahme: Ihre Silberarbeit ist einmalig, dann spricht der historische Wert allein für sich.

Deutlich erkennbare und nahezu unberührte Wappengravur auf einem Augsburger Silberbecher.

Auch die aus dem 17. Jahrhundert stammende Inschrift auf der Augsburger Weinprobierschale in der zweiten Aufnahme wie auch die ins 19. Jahrhundert zu datierende Inschrift auf der Silberscheibe ist deutlich lesbar.

Ganz rechts schöne und kräftige barocke Gravuren auf einer Dose des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

 

• Getriebene Dekore: Typischerweise im 17. und 18. Jahrhundert angewendete Verzierung. Die Oberfläche wird von reliefartigen Dekoren verziert.

Im Barockzeitalter meist figürlich und mit vegetabil. Im Rokoko finden wir einen teilweise sehr üppigen Muschel- und Blütenschmuck. Im Klassizismus werden getriebene Dekore meist nur noch sparsam angewandt zum Beispiel als Girlandenschmuck; dem sogenannten Zopfstil.

Diese Dekore sollten kräftig wirken und nicht flau und abgenutzt, wie es durch häufiges putzen geschieht.

Der Weilheimer Deckelkrug aus dem frühen 17. Jahrhundert ist ein schönes Beispiel für einen sammelwürdigen Erhaltungszustand. Die Dekore sind gut zu erkennen und es beesteht nur ein leichter Goldabrieb an den erhabenen Stellen.

Sehr sorgfältig ausgeführte Treibarbeiten mit punzierten Flächen zieren das Mittelstück einer barocken Augsburger Weinprobierschale.Die Gesichter wirken nicht verputzt, auch sonst sind alles Details deutlich. Die Teilvergoldung unstreicht eine schöne Wirkung.

Die dritte Aufnahme zeigt einen sehr kräftigen reliefierten Blattdekor, die Blätter sind zusätzlich graviert. Die Aufnahme stammt von einem Bremer Rokoko Kerzenleuchter.

Zeitgleich, ganz rechts ein kombinierter Dekor auf dem Deckel einer Augsburger Tabatiere. Ziseliert sind die Rocaillenschwünge, die Zwischenräume punziert.  Der mittige Teil besteht aus einer ausgesägte Silberscheib. Sie zeigt einen Jagddekor und ist gänzlich vergoldet.

 

  • Gussteile: An vielen Silberobjekten begegnen uns gegossene Teile, die in unterschiedlichem Verfahren hergestellt worden sein können. Meist ist es Zierrat, wie Deckelknäufe, Griffe an Schalen, Terrinen oder Deckelkrügen. Schäfte von Pokalen und wiederum deren daran befestigtem Schmuck. Bei Leuchtern des 18. Jahrhunderts sind es die Leuchterschäfte, gelegentlich auch die ganze Fußplatte.

Sauber gegossen und handwerklich nachgearbeitet sehen diese auch nach Jahrhunderten nahezu frisch aus. Typischerweise haben aber die Griffe an Weinprobierschalen in den seltensten Fällen die hohe Qualität. Hier kam es mehr  auf die Schale selbst an. Die Griffe wurden mehr oder weniger in Serie hergestellt und sind in der Regel auch nicht so fein nachgearbeitet worden.

 

Gegossene Birne mit Blattwerk und Griff aus der Mitte des 18. Jahrhunderts an der kleinen Augsburger Deckelschale. Die figürliche Bekrönung dient als Abschluss auf den Berner Girandolen des frühen 19. Jahrhunderts und die gegossenen Füße mit Blattwerk stammen von der Stralsunder Dose des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

• Vergoldung: Vom Mittelalter bis in das frühe 19. Jahrhundert bediente man sich der Feuervergoldungen. Diese kann sehr dick und dadurch nahezu unverwüstlich sein. Mitunter auch sparsam, so dass sie durch vieles putzen schnell in Mitleidenschaft gezogen wird. Später ging man zu den galvanischen Vergoldungen über, die auch nicht mehr die schöne kräftige Farbe einer alten Feuervergoldung haben und dadurch meist etwas blass wirken.

Bei abgenutzten, sprich verputzten, Oberflächen ist in der Regel auch die Vergoldung in Mitleidenschaft gezogen. Partiell ist das kein Problem, unattraktiv wird es, wenn die Vergoldung praktisch nicht mehr vorhanden ist bzw. nur noch Reste davon zu erkennen sind. 

Eine schöne Vergoldung steigert immer den Wert des Gegenstandes.

Vorzügliche Innenvergoldungen an Augsburger und Petersburger Silberarbeiten. Die erhabenen Stellen des Londoner Kerzenleuchters in der Aufnahme ganz rechts weisen leichten Goldabrieb auf. Das ist nicht weiter störend, da im Allgemeinen die Vergoldung kräftig und sehr schön erhalten ist.

 • Reparaturen:

Oft lässt es sich nicht vermeiden, das antikes Silber zum Restaurator muss. Die Schadstellen können vielfältig sein. Einfache Beulen und Druckstellen an der Oberfläche, die Wandung von einem Deckelgefäß kann neben dem Scharnier eingerissen sein, aber auch ein durchgedrückter Kugelfuß an einem Becher oder Humpen kann sich störend auf das Gesamtwerk auswirken.

Meiner Meinung darf eine gute Reparatur sichtbar sein, sollte aber nicht als störenden Mangel empfunden werden. So kann das Loch in einem Becher großflächig mit Silberlot oder Zinn ausgegossen worden sein. Über einen großen Riss kann ein Stück Silberbelch gelötet sein. Solche markanten und meist alte Reparaturen würde ich immer beheben lassen. Aber einen 2mm kurzen Riss an einem Lippenrand zuzulöten kann mehr Schaden verursachen als es Wirkung hat.

Wichtig ist nur, gehen Sie zu dem besten Restauratoren die Sie kennen bzw. empfohlen bekommen.

Momentan habe ich keine Aufnahmen zu restaurierenden Stücke.

 

 

• Punzierung/Marken: Für den Sammler ist es aufschlußreich zu wissen, in welcher Stadt das antike Silber hergestellt worden ist und welcher Meister das Stück schuf. 

Zur Bestimmung gibt es gute Markenliteratur und die Forschung geht stets weiter.

Aber eine sammelwürdige Silberarbeit muss nicht zwangsläufig mit Marken versehen sein. Auch kommt es vor, das eine einwandfrei gestempelte Arbeit sich nicht zuweisen lässt.

Wenn die Qualität überzeugend ist und der Preis stimmt, kann das Silber ruhig in die Sammlung wandern.

Ganz links eine typische deutsche Punzierung am Beispiel von Augsburg im 17. Jahrhundert. Stadtmarke links, rechts daneben die Meistermarke und darunter der Tremolierstich.

Die zweite Aufnahme zeigt eine österreichisch-ungarische Punzierung. Tremolierstiche waren dort nicht üblich.

In Holland, wie auch in Belgien in der Regel 4 Marken mit Tremolierstich. Stadtmarke, Meistermarke, Kontrollstempel und der Jahresbuchstabe, der in Augsburg ab dem 18. Jahrhundert kombiniert mit der Stadtmarke auftaucht.

In Mexiko, wie auch in Spanien und Portugal die Stadtmarke, Meistermarke und der Kontrollstempel, hier Adler im Hochoval.

 

Gewicht: In den Textbeschreibungen gebe ich das Gewicht immer an und versuche es im Verhältnis zur Silberarbeit darzustellen. Ein hohes Gewicht spricht immer für einen zahlungskräftigen Auftraggeber. Aber auch ein zierlicher und leichter Gegenstand kann sehr hochwertig verarbeitet und somit sammelwürdig sein.