Ein einzigartiges Stielkännchen aus (Bad) Oldesloe
Das seltene kleine Ensemble eines kleinen Stielkännchens repräsentiert einen Typus des deutschen Gebrauchssilbers, der sich ausschließlich in Dänemark und dem heutigem Schleswig Holstein nachweisen lässt. Erste Stücke sind bereits vor 1700 entstanden. Der Korpus ist bauchig, der Griff aus Silber. Was für eine Verwendung auf ein Kaltgetränk schließen lässt, denn ohne Isolierung wäre es kaum anzufassen. Alle nachweisbaren Gefäße stehen auf drei Beinen. Manchmal sind sie mit einem Deckel versehen. Die Bezeichnung in der Fachliteratur ist unterschiedlich. Mal Sahnekännchen, als Wöchnerinnenterrine oder Breischüssel für Säuglinge.

Unser Kännchen zeigt die charakteristische oben beschriebene Form. Der Gefäßkörper ist bauchig getrieben und mit einer kurzen Ausgusstülle versehen. Es steht auf drei geschwungenen Beinen. Seitlich befindet sich an einer Hülse aus Silber ein gedrechselter Griff aus Holz. Innen hat es eine schöne originale Vergoldung.
Gestempelt ist es auf der Bodenunterseite mit dem Zeichen der Stadt (heiliger Petrus mit Schlüssel) und der Meistermarke IIG im Rechteck wodurch sich einwandfrei nachweisen lässt, dass dieses Stück in (Bad) Oldesloe um 1780/1790 entstanden ist.

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(Bad) Oldesloe ist eine kleine Stadt in Schleswig-Holstein, zwischen Hamburg und Lübeck gelegen. Oldesloe hatte im 18. Jahrhundert eine Poststation und war königliche Zollkontrolle. Beim verheerenden Stadtbrand 1798 wurde drei Viertel der Stadt vernichtet. Ackerbau ist der Hauptbetrieb der Einwohner. Jedoch lassen sich auch einige Goldschmiedemeister nachweisen, der früheste bereits 1280! Hauptauftraggeber dürfte die Kirche gewesen sein. Profane Arbeiten lassen sich praktisch keine nachweisen, umso spannender ist es jetzt eine vorliegen zu haben, die sich auch als besonderes Formstück auszeichnet.
Der Meister ist Johann Jacob Geertz. Er stammt aus Hamburg und hat dort 1764-1770 bei Jacob Bartels gelernt. Ein herausragender Silberschmied. Als Beispiel seines Könnens mein Rokoko Fisch/Tortenheber. Geertz heiratet 1779 und leistet 1776 seinen Bürgereid in Oldesloe. 1789, nach dem Stadtbrand, lässt sich ein namentlich nicht genannter Silberschmied nachweisen, vermutlich ist es Jacob Geertz.

Maße des Kännchens: Höhe bis zum Rand: 8,5 cm. Durchmesser oben: 7,5 cm. Gesamtlänge mit Griff: 17,5 cm. Gewicht: 187 gr.

verkauft

Vergleichsstücke:
Sigurd Schoubye, Guldsmede-handvaerket i Tonder Seite 147 Nr. 100. Dortige Bezeichnung „Sahnekännchen“, um 1770 entstanden.
Beoesen/Boje, Gammelt Dansk Solv, Nr. 305, 306, 307 308. Dortige Bezeichnung als Breitopf, Wöchnerinnenterrine.
Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Seite 62 Nr. 49. Dortige Bezeichnung „Dreibeintopf“, um 1670 entstanden.

Dr. Eva Toepfer, Henkeltöpfchen mit Teller, Weltkunst 13. 1. November 1998.