Antiquitäten · Antikes Silber · Kunstgegenstände

Inhaber: Peter Rauch

Kaffee/Teekanne aus Stade, um 1760
(verkauft)

Eines meiner Lieblingsstücke (unverkäuflich)
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Paar Kerzenleuchter aus Hameln, um 1760
(verkauft)

Belastungsstempel, Steuerstempel und Einfuhrpunzen auf altem Silber

Wer sich mit altem Silber und deren Marken beschäftigt, dem werden sicherlich schon die in vielen Varianten vorkommenden kleinen Stempelungen aufgefallen sein, die mit der eigentlichen Stempelung, der Stadt- und Meistermarke, in manchen Städten zusätzlich auch der Jahresbuchstabe, wenig gemein haben.
Silberarbeiten, vor vielen hundert Jahren entstanden, gelangten in andere Regionen, sprich Länder, wo sie dann einer Nachstempelung oder Besteuerung unterzogen wurden.

Gelegentlich begegnet man auch Silberarbeiten, die neben der originalen Stadt- und Meistermarke eine moderne 800, Halbmond und Krone als Stempelung aufweisen. Hier wurde das Stück nachgestempelt. Ursache kann eine Unsicherheit des Besitzers sein, der mit der originalen Stempelung einer Stadt- und Meistermarke nichts anfangen konnte und das Stück einem Juwelier zeigte. Nach Prüfung auf deren Feingehalt stempelte er das Stück nach heutigem geltendem Recht nach.

Randbemerkung: Auch diese kleinen, wie wir sagen, Repunzierungen, wurden gefälscht. Sie tauchen auf falschen Silberarbeiten auf und sollen dem Stück dem Anschein geben, dass es schon vor langer Zeit existierte und einer zeitgenössischen Repunzierung unterzogen wurde.

Anhand von Beispielen werde ich in fortlaufender Serie diese Stempelungen mit Erläuterungen vorstellen.

Holland_ZII_Das „ZII“ ist eine holländische Repunzierung für 835 Silber auf großen Silberarbeiten. Diese Marke wurde von 1953 bis 1987 verwendet und kann auf alten Stücken, sowie auf modernen Silberarbeiten vorkommen.

Das Foto stammt von einer Österreich-Ungarischen Silberplatte, die um 1820 entstanden ist. Sie gelang nach Holland und wurde dort nachgestempelt.

A in einer Raute. Ein Repunzierungsstempel aus dem österreichisch-ungarischen, der von 1806 bis 1807 verwendet wurde. Mit ihm wurden sämliche in Privatbesitz befindiche Gold und Silbergegenstände quittiert, die zuvor mit einer Gebühr belastet wurden. Das A steht für Wien wo die Belastung statt gefunden hat. Lit.: Reitzner, Alt Wien, Seite 204.

ET in einem Rechteck. Hierbei handelt es sich um einen Einfuhrstempel nach Frankreich. Dieser Stempel wurde 1864 – 1893 verwendet. Aber auch seit 1902 auf Silberarbeiten, die sich in Frankreich befinden und zugleich einen niederen Feingehalt aufweisen und bspw. auf Auktionen oder in Pfandhäusern angetroffen werden. Lit.: Rosenberg Nr. 6614

Holland_V_KroneDas große V unter einer Krone ist eine Steuermarke, die in Holland von 1814 – 1893 für große Silberarbeiten Verwendung fand. Besteuert wurden fremde, d.h. aus einem anderen Land eingeführte Arbeiten sowie bis zu diesem Zeitpunkt unbelastete Arbeiten, die sich schon in Holland befunden haben.

Schwanenmarke_FrankreichDer Schwan in einem Oval findet man relativ häufig, insbesondere auf frühen deutschen Silberarbeiten. Es handelt sich um einen Einfuhrstempel für Silberarbeiten, die nach 1893 nach Frankreich gelangen. Rosenberg Nr. 6616.

Das Foto stammt von einem norddeutschen Deckelkrug, der um 1680 entstanden ist.

Münztummler (8)Mondsichel mit Buchstaben

Durch die Französiche Revolution und die Napoleonischen Kriege geriet der österreichische Staat in finanzielle Schwierigkeiten. Zur Behebung derselben wurde unter anderem die Repunzierung sämtlicher existierender Gold- und Silbergeräte angeordnet, wobei eine für damalige Zeiten hohe Gebühr angerechnet wurde. Die Repunzierung erfolgte vom 1. September 1806 bis 31. Juli 1807.

Die Punze für Silbergerät mittlerer Größe zeigt eine Mondsichel mit einem Buchstaben, der für das jeweilige Punzierungsamt steht. Hier ein „B“ für Prag. Die Aufnahme stammt von einem Faustbecher aus Zwickau, der um 1740 entstanden ist.

Lit. Reitzner“Alt Wien“ Seite 204.

Preußischer_SteuerstempelDer Preussische Steuerstempel „FW“

Der häufig auf Mittel- und Ostdeutschen Silberarbeiten anzutreffende Steuerstempel „FW“ zeigt die Initialen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. 1809 kauften die preußischen Münzämter Edelmetalle aus Privat- und Kirchenbesitz, um die hohe Kriegsschuld an Frankreich bezahlen zu können. Wollte sich ein Bürger nicht von seinen Stücken trennen, konnte er diese gegen ein Abgabe behalten. Der Gegenstand wurde mit dem Steuerstempel gekennzeichnet. Bisweilen habe ich schon erlebt, dass diese Marke als Meisterzeichen FW gedeutet wurde!

Die Aufnahme stammt von einer Danziger Rokokoschale.