Antiquitäten · Antikes Silber · Kunstgegenstände

Inhaber: Peter Rauch

Kaffee/Teekanne aus Stade, um 1760
(verkauft)

Eines meiner Lieblingsstücke (unverkäuflich)
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Paar Kerzenleuchter aus Hameln, um 1760
(verkauft)

In diesem Beitrag möchte ich über die kleinen saucieren förmigen silbernen Schalen schreiben, die bei uns in Deutschland zu finden sind und über deren Verwendung es unterschiedliche Aussagen gibt. Hierüber fand ich im Internet aus dem englischen einen Beitrag, den ich ergänzt wiedergeben möchte.

Diese genialen Stücke wurden entwickelt, um Babys und Kranken weiche Nahrung und Flüssigkeiten zuzuführen. Das Pap-Boat hat eine „Boot“ -förmige Form mit einer sich verjüngenden Lippe.
Als ich zum ersten Mal ein Beispiel aus Wien sah, bemerkte ich, dass die Schale mit Griff gemacht wurde, und mich an eine kleine Sauciere erinnerte.


Die grifflosen Pap-Boats, ähnlich einer Soßenkelle nur ohne Stiel, sind englischer Herkunft und liegen aufgrund ihrer länglich und leicht gebauchten Form gut in der Hand. Deren Wandung ist oft mit getriebenen und ziselierten Blütendekoren verziert. Die im deutsch sprachigem Raum entstandenen Arbeiten sind etwas länglicher gearbeitet und haben allesamt einen Griff. Sie sind schlicht, die Wandung ist glatt und ohne Schmuck mitunter teil- oder ganz vergoldet.
Erstaunlicherweise waren sie keiner Mode unterworfen, sondern wurden im gesamten Gebrauchszeitraum formgleich hergestellt.

Die Ausführung dieser Breischalen hing davon ab, was sich der Auftraggeber leisten konnten, von sehr einfach bis hochverziert. Diese kleinen und flachen Gefäße wurden aus vielen verschiedenen Materialien wie Silber, Zinn, Holz, Glas oder Porzellan hergestellt.

Was ist Pap?

Das Wort „Brei“ soll skandinavischen Ursprungs sein, entnommen aus dem Laut, den ein Baby macht, wenn sein Mund offen ist und sich ernähren soll. Die Gefäße waren, je nach Material, in einfachen, bis gehobenen Haushalten üblich und von Ende der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis in die ausgehende Biedermeierzeit, um 1850, in Gebrauch. An diesem Punkt starb ihre Verwendung aufgrund der Erfindung von Flaschen aus.
Die Gefäße enthielten ursprünglich eine breiartige Substanz aus gemischten Zutaten wie Brot, Mehl und Wasser. Das Rezept könnte sich je nach Familienreichtum jedoch in Butter, Milch und Zucker umwandeln. Das Breifutter wurde als beruhigend und leicht verdaulich empfunden. Ein frühes Problem mit diesen Gefäßen war, dass sie nicht ausreichend sterilisiert werden konnten und somit zur Kinderkrankheit beitrugen.

Breischalen und ihre Verwendung

Warum sind diese Stücke hergestellt wurden? Nun, sie wurden zum Füttern gemacht, aber warum genau? Waren Sie einem Säugling oder einem Kranken hilfreich leichter dünnflüssige Nahrung aufzunehmen? Sicherlich. Einige glauben, dass sie angewandt wurden, als Babys mehr feste Nahrung zu essen begannen. So waren es praktisch Trinkschalen. Sie haben aber auch dazu gedient, ein pulverisiertes und aufgelöstes Medikament aufzunehmen. Die kleine handliche Form, der schnabelförmige Ausguss und die leichte handhabe waren ein ideales Instrument. Zudem ist Silber antiseptisch und somit desinfizierend und in der Krankenstube unentbehrlich.

Vorkommen

Wie bereits oben erwähnt, stammen die henkellosen Brei- oder Krankenschalen aus England. Beginnend der zweiten Hälfte des 18. Jh. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reichte ihre Zeit. Deutsche Beispiele lassen sich bei Erich Schliemann, die Hamburger Goldschmiede, mit zwei Hamburger Stücken aus dem 19. Jahrhundert nachweisen Abb. 656, 657. Mir sind solche Schalen aus Augsburg, München und Stuttgart sowie dem österreich-ungarischen Raum, insbes. Wien bekannt. Formgleich in Holland und Dänemark.

Die derzeit im Angebot befindliche Breischale hat eine Besonderheit zu den mir bisher begegneten Stücken. Sie stammt aus der „Provinz“. D.h. einer kleinen Silberschmiede im Raum Bergheim, etwa 20 Kilometer westlich von Köln gelegen. Der Meister ist nicht auflösbar, jedoch lassen sich von ihm zwei Schützenschilde von 1819 und 1820 nachweisen, die sich in Giesendorf und Pfaffendorf befinden. (Clasen Rheinisches Silber Nr. 1110.) Es dürfte sich eher um eine Auftragsarbeit handeln als ein in großer Serie hergestelltes Produkt. Vielleicht lässt sich eines Tages der Meister aufschlüsseln und somit eine eindeutige Herkunft nachweisen.