Antiquitäten · Antikes Silber · Kunstgegenstände

Inhaber: Peter Rauch

Kaffee/Teekanne aus Stade, um 1760
(verkauft)

Eines meiner Lieblingsstücke (unverkäuflich)
Erfahren Sie mehr

Paar Kerzenleuchter aus Hameln, um 1760
(verkauft)

18 teilige Besteckgarnitur für Prinzessin Marie Friederike Charlotte von Württemberg (geb am 30. Oktober 1816 in Stuttgart, gest. am 4. Januar 1887 ebenda), spätere Gräfin von Neipperg war die erste Tochter des Württembergischen Königs Wilhelm I mit Königin Katharina Pawlowna

Bestehend aus: 6 Gabeln, 6 Löffel, 6 Messer mit Stahlklingen

Stuttgart um 1845

Meister: Conrad Christian Hermann

Länge Löffel: 21 cm. Gewicht: 85 gr. Zus. 516 gr.

Länge Gabel: 21 cm. Gewicht: 96 gr. Zus. 577 gr.

Länge Messer: 25,5 cm. Gewicht incl. der Stahlklingen: 590 gr.

reserviert

Preis: 3.000,– €

Stilistisch zweifelsfrei dem Barock zuzuordnen, denn feines Bandelwerk, wie es gegen 1720/30 als Schmuckelement Mode war, ziert die Griffe dieser Garnitur. Beim genaueren hinschauen fallen jedoch die spitzovalen Laffen an den Löffeln auf. Diese kamen erst gegen 1800 in Mode und lösten die ovalen Formen des 18. Jahrhunderts ab. Beim Betrachten der Markenpunzierung wird schnell klar, dass diese Stücke erst im 19. Jahrhundert entstanden sein können. Sämtliche Teile sind mit dem Lötigkeitsstempel „13“ für 13 lötiges Silber, entsprechend 812,5 Anteile Silber auf 1000 und dem Meisterzeichen Hermann gestempelt.

 

Für die Herstellung der außergewöhnlich schweren und gänzlich vergoldeten Besteckteile kommt nur eine Werkstätte in Frage, die Stuttgarter Hofgoldschmiede Conrad Christian Hermann. Der Silberschmied wurde 1810 in Heilbronn geboren, 1842 Stuttgarter Bürger und heiratete im selben Jahr. Die Werkstätte Hermann fertigte neben profanen Arbeiten auch kirchliches Gerät. Zusammen mit anderen Silberschmieden wurde er kurz vor und um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch mit der Anfertigung vieler Teile des württembergischen Hofsilbers betraut.

Neben dem Lötigkeitsstempel und dem Meisterzeichen sind alle Bestecke mit einem Datumsstempel „1847“ punziert. Die Stahlklingen der Messer tragen die Punzierung “G. Müller“

 

Für wen wurde das Besteck gefertigt?

Nachdem wir uns über die zeitliche Einordnung Klarheit geschaffen haben widmen wir uns dem Auftraggeber bzw. dem Anlass der Anschaffung dieser Bestecke. In einer Kartusche, inmitten der Bandelwerksdekore, befindet sich eine Gravur, der Buchstabe „M“ unter einer Königskrone. Aufgrund des Herstellungsortes, dürfte der Wappenträger im Stuttgarter Hofe zu finden sein.

 

Hier war mir die Auskunft von Frau Dr. Sabine Hesse/Stuttgart/Hamburg sehr hilfreich:

Dieses Monogramm „M“ ist mir zum ersten Mal vor vielen Jahren auf der Münchner Messe, auf großen Tellern oder Platten begegnet. Damals schon dachte ich, dass es zu Marie Friederike Charlotte (1816-1887) passt, der älteren Tochter König Wilhelms I. von Württemberg aus seiner Ehe mit Katharina, geb. Großfürstin von Russland.
Marie heiratete 1840 den Grafen Alfred Karl Franz von Neipperg „unter Beibehaltung von Titel und Rang eines Mitglieds der königlichen Familie“, wie es im Lexikon-Artikel von Otto-Heinrich Elias heißt (Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, hrsg. von Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press, Stuttgart 1997, S.316, Nr. 6.0.28.).
Andere Personen aus dem Haus Württemberg mit einem Vornamen M… passen entweder zeitlich oder ihres Ranges wegen nicht zu dem Monogramm unter der Königskrone.

In anderem Zusammenhang habe ich mich vor Jahren mit Maries jüngerer Schwester Sophie (1818-1877) beschäftigt, die 1839 in die Niederlande heiratete und dort 1849 Königin wurde. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart habe ich ihre Mitgift, u.a. die Auflistung ihres Eigentums an Gold und Silber, durchgeschaut.
Daraus ergab sich, dass die kleine Prinzessin – beginnend, als sie noch keine zwei Jahre alt war – alljährlich zum Christfest und zu ihrem Geburtstag von ihrem Vater (König Wilhelm I.), ihrer Großmutter (Charlotte Mathilde, der Witwe von König Friedrich I.) und später auch von ihrer Stiefmutter (Königin Pauline) Silbergeschirr aller Art und Besteck als Geschenk erhielt. Bis 1837 waren auf diese Weise u.a. 10 Dutzend silberne Teller und 5 Dutzend silberne Bestecke (Speiselöffel, Gabeln, Messer) zusammen gekommen.
Während bei Leuchtern, Körben, Kaffeelöffeln und -geschirr häufig die „Chiffre S“ erwähnt wird, fehlt dieser Zusatz auf den Listen durchweg bei den silbernen Platten, Tellern und dem silbernen Tafelbesteck mit Stahlklingen. Das könnte bedeuten, dass diese Teile für die Speisetafel von vorne herein als Aussteuer gedacht waren, einheitliche Formen besaßen und erst vor der Hochzeit mit dem Monogramm der Braut (samt dem umgebenden Dekor) versehen wurden. Das ergäbe Sinn.

Ich denke, dass man für die zwei Jahre ältere Marie, mit der ich mich nie befasst habe, dieselbe pragmatische „Aussteuerpolitik“ annehmen darf. Eine Diskrepanz zwischen Formstück und Dekor wäre die zwangsläufige Folge.
Das Besteck von Conrad Christian Hermann könnte später (1847) als Ergänzung des bereits vorhandenen Bestandes in Auftrag gegeben worden sein.
Die Art und Platzierung der eingestempelten „1847“ dürfte sich nicht auf einen festlichen Anlass beziehen. suchen. Diese Jahreszahl scheint eher internen Zwecken, etwa zur Unterscheidung vom älteren Bestand, zu dienen.

(Freundliche Mitteilung Frau Dr. Sabine Hesse, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart)

 

Weitere Teile aus diesem Besteck sind mir nicht bekannt. Das Stuttgarter Auktionshaus Dr. Fritz Nagel offerierte im Mai 2005 unter der Lot Nr. 8 einen Tafelaufsatz, mit identischer Mongrammgravur, der gegen 1830 von einem Mitglied der Stuttgarter Hofgoldschmiede Sick gefertigt wurde. Zwei Hofsilberarbeiter Sick waren in den 1830-er Jahren in Stuttgart tätig.

 

 

 

Kontakt

Telefon: 06421-9713411     Handy: 0170-7302474     email: Peter-PeterRauch@t-online.de    zum Kontaktformular

Peter Rauch  Hedwig-Jahnow-Straße 81   35037 Marburg